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  Kampfesspiele  
     
 
- nur für Jungs!



Mal nicht nur basteln, Mädchenfilme schauen oder stundenlange Gespräche führen, sondern mal nur unter Jungs sein. Mal richtig Action machen und unter fairen Bedingungen die eigenen Fähigkeiten und Grenzen austesten - das möchte die Christuskirche Burgkunstadt in Zusammenarbeit mit Frank Doppel für Jungs zwischen 13 und 17 Jahren anbieten.




26.03.2010:
Kampfesspiele


„Seid Ihr bereit? – Kämpft!“ Auf das martialisch wirkende Kommando des Sozialpädagogen Frank Doppel hin stürzen sich acht Jugendliche auf zwei Weichbodenmatten, auf denen wiederum drei Medizinbälle liegen. Ziel der nun folgenden und zunächst unübersichtlich wirkenden Ringereinlagen ist es, einen der Medizinbälle für sich zu erkämpfen. Was auf den ersten Blick wie „pubertäres Machtgehabe“ wirkt, hat aber in der Tat einen tieferen Sinn. Diesen erkennt man spätestens dann, wenn die angesprochenen „Ringereinlagen“ beendet sind und die acht jungen Männer sich mit ihrem „Coach“ Frank Doppel in einem Sitzkreis formieren, um über die während des „Kampfes“ gemachten Erfahrungen zu sprechen. Fragen wie „Hast Du etwas Unfaires erlebt?“ oder „Bist du stets gerecht behandelt worden?“ geben schon die grobe Richtung vor, in die dieses Projekt mit dem Namen „Kampfesspiele“ gehen soll. „Ziel dieses Projektes ist es, dass die jungen Männer gerade über den engen Körperkontakt Schranken überwinden und somit auch ein Stück weit zu sich selbst finden“, erklärt Diplom-Sozialpädagoge Frank Doppel im Anschluss an das dritte von insgesamt vier Treffen mit den Jugendlichen in dem kleinen Turnraum des Hauses „Gabriel“, der von Regens-Wagner zur Verfügung gestellt wurde. Der Burgkunstadter ist nach einer abgeschlossenen Zusatzqualifikation ausgebildeter „Kampfesspiel-Trainer“ und hat schon viele solcher Projekte durchgeführt. In Burgkunstadt wurde die Veranstaltung von der Evangelischen Kirchengemeinde ins Leben gerufen. Jugendreferentin Andrea Schlagmann kam mit Frank Doppel zufällig ins Gespräch und so entwickelte sich die Idee zu dieser eher ungewöhnlichen Zusammenarbeit. Doch spätestens auf den zweiten Blick stehen die „Lernziele“ wie „Fairness“ und „Respekt gegenüber dem Mitmenschen“ auch im direkten Zusammenhang mit christlichen Werten. Frank Doppel leitet das Projekt ehrenamtlich.

„Nur für Jungs“ heißt allerdings die Devise des Projekts, weshalb auch Andrea Schlagmann selbst außen vor bleiben muss. „Es ist wichtig, dass gerade Jungs, die unumstritten ein größeres Aggressionspotenzial in sich tragen, untereinander ihre eigenen Grenzen und Fähigkeiten austesten“, erklärt Frank Doppel diesen Umstand. Gerade über den kraftvollen und direkten Körperkontakt finden Männer auch den direkten Zugang zu sich selbst. „Kampfesspiele“ leisten somit einen wichtigen Beitrag zur männlichen Sozialisation, da die Körperlichkeit gerade für Männer eine große Rolle spielt, diese aber zugleich immer mehr aus dem gesellschaftlichen Leben herausgerückt wird. Und tatsächlich gehen die jungen Männer bei allem Einsatzwillen und trotz des vollen Körpereinsatzes überaus fair miteinander um. Wichtig ist es dabei für Projektleiter Doppel, dass nicht er selbst im Stile eines Schulmeisters die Regeln vorgibt, sondern die Jugendlichen diese selbst aufstellen und somit auch leichter befolgen. Dies wird schon bei den so wichtigen „Aufwärmübungen“ erkennbar. Während die Jungen beim gegenseitigen Bewerfen mit einem Boxhandschuh Reaktionsschnelligkeit und Beweglichkeit trainieren, haben sie stets auch die vorher aufgestellten Regeln im Kopf. Als sich zum Beispiel der 17jährige Christian wider den Regeln mit dem „Wurfgeschoss“ in der Hand auf den „Gegner“ zubewegt, stoppt er plötzlich ab, legt den Handschuh auf den Boden und macht ohne zu murren drei Liegestützen. Was Christian nämlich vergessen hat, ist die Tatsache, dass man sich mit dem Handschuh nicht auf den anderen zubewegen darf. Für diesen Regelverstoß „bestraft“ er sich sozusagen gleich selbst. In kürzester Zeit schwitzen die jungen Männer in der kleinen Turnhalle und die Luft wird zunehmend stickiger. Wichtige Rituale, wie das gegenseitige Abklatschen und der direkte Augenkontakt untereinander bei der Vorbereitung der Spiele, gehen der körperlichen Auseinandersetzung voraus. Nach jeder Spielrunde wird wieder in der bewährten Runde über die gemachten Erfahrungen gesprochen. „Hast du etwas Faires erlebt?“ – bei dieser Frage müssen die 13jährigen Fabian und Michael nicht lange überlegen. Als der 16jährige Bastian die beiden in die Ecke getrieben hatte, hätte er sie „abwerfen“ können – er tat es aber nicht, weil sie bereits am Boden lagen. Diese Form der reflektierten Zurückhaltung wiederholt sich wenig später, als die Aufwärmübungen beendet sind und die Kampfesspiele so richtig beginnen. Der Kampf um die drei Medizinbälle wird demnach mit aller körperlicher Kraft ausgeübt, doch unfaire Griffe oder gar Kopfstösse erlebt man hier trotz der Hitze des Gefechts nicht. Selbst als Frank Doppel mit dem Ruf „Jetzt mal ein bisschen mehr Power hier“ für zusätzliches Tempo sorgt, bleibt alles im vorher abgesteckten Rahmen. Für Gewissheit sorgen hier wieder die bewährten Gesprächsrunden, bei denen dann eben zum Beispiel der 16jährige Tobias den eigentlich erkämpften Punkt an Michael abgibt, da dieser nach einer Minute selbst eine Hand am begehrten Medizinball hatte. „Wir können nur kämpfen, wenn wir uns selbst und unser Gegenüber ernst nehmen und respektieren“ – Frank Doppel wiederholt mehrmals den Grundsatz und somit das Selbstverständnis dieses Projekts. Zudem erfahren die Jugendlichen, dass es zwar Spaß macht, zu gewinnen – allerdings nur, wenn alles in einem fairen Rahmen abgelaufen ist. Als nach 90 Minuten Kraft raubender Kampfesspiele auch die „letzte Schlacht“ geschlagen ist, erkennt man sowohl beim Projektleiter als auch bei den Teilnehmern neben aller körperlichen Erschöpfung auch eine gewisse Zufriedenheit im Hinblick auf die gemachten Erfahrungen. Die Jungs haben im Verlauf der drei Trainingseinheiten viel über sich und den anderen gelernt und somit echte Freundschaften geschlossen – und dies obwohl oder gerade weil sie sich mit aller Kraft gegenseitig „bekämpft“ hatten. Das Projekt war demnach für alle Beteiligten ein voller Erfolg. Auch Frank Doppel ist beeindruckt von der Offenheit und der Bereitschaft des Nehmens und Gebens unter den Jugendlichen. Über eine Fortsetzung wird bereits nachgedacht.






 
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