30 Jahre „QuerBet“: Ein Jubiläum, das klingt, lacht und trägt
BildrechteMatthias Schneider
Mit einem Fest voller Musik, Dankbarkeit und ansteckender Lebensfreude hat der Kirchenchor „QuerBet“ am Sonntag, den 10. Mai 2026 sein 30-jähriges Jubiläum in der Christuskirche gefeiert. Ganz im Stil der vergangenen drei Jahrzehnte schlug der Chor erneut neue Wege ein: Statt offizieller Grußworte lud Chorleiterin Katharina Flierl zu einem Konzert-Gottesdienst ein – ein Format, das dem Herzen des Chores entspricht. Es wurde viel gesungen, gelacht und gebetet, und zugleich dankbar auf drei Jahrzehnte Chorleben zurückgeblickt.
„Wir feiern das, was uns trägt: Glaube, Gemeinschaft und die Musik“, brachte Prädikantin Veronika Flierl in ihrer Predigt den Grundton dieses besonderen Vormittags auf den Punkt. Ihre Worte hatten besonderes Gewicht – auch, weil sie selbst Teil jener Familie ist, ohne deren Wirken „QuerBet“ wohl nie entstanden wäre: Neben ihr prägten und prägen Gründungsleiter Dr. Friedrich Flierl sowie Tochter Katharina Flierl als heutige Chorleiterin den Chor. Passend zum Sonntag Rogate nannte Veronika Flierl das „Erfolgsgeheimnis“ des Ensembles: „Viele Menschen erschaffen einen Klang und somit ein helfendes Gebet!“
Teil 1: Missa Kwela – Rhythmus, Spiritualität und Anspruch
Dass „QuerBet“ auch nach 30 Jahren neugierig bleibt und kirchenmusikalisch experimentiert, zeigte das Programm eindrucksvoll. Gemeinsam mit dem Kinderchor der Gemeinde – ebenfalls unter der Leitung von Katharina Flierl – gestaltete der Chor den ersten Teil mit der „Missa Kwela“, einer afrikanischen Messe, die Spiritualität, Rhythmus und charakteristische Klangfarben vereint. „Wir haben uns über Monate auf diese Messe vorbereitet“, sagte Katharina sichtlich stolz – und das Ergebnis bewies die Mühe: Auf ein klassisch gehaltenes Kyrie im 4/4 folgte ein strahlendes Gloria im ungeraden 9/8-Takt, das musikalisch forderte und zugleich mitriss.
Für die 25 jungen Mitglieder des Kinderchors war die Messe eine besondere Herausforderung – nicht nur wegen des Tempos und der Synkopen, sondern auch, weil sie trotz afrikanischer Wurzeln überwiegend auf Latein gesungen wurde. Doch die jungen Stimmen hielten mit den „Großen“ von „QuerBet“ nicht nur zahlenmäßig Schritt: Sie trugen die Messe mit einer Ernsthaftigkeit und Frische, die das Kirchenschiff spürbar belebte. Der Beifall galt nach der Messe nicht nur beiden Chören, sondern ebenso den drei Solistinnen und Solisten an Querflöte (Julia Fraunholz), Klavier (Lisa Sutton) und Percussion (Benjamin Plitzner), die dem Klangbild leuchtende Akzente gaben.
Besondere Gäste: Klangbrücken nach Tansania
„QuerBet ermöglicht ungewöhnliche Begegnungen“, hieß es in der Predigt – und diese Begegnungen wurden an diesem Jubiläum real. Im Rahmen der seit 30 Jahren bestehenden Partnerschaft zwischen dem Dekanat Michelau und der Meru-Diözese in Tansania nahm eine vierköpfige Delegation am Gottesdienst teil. Mit herzlichen Glückwünschen und einer liebevollen und musikalischen Grußbotschaft würdigten die Gäste den Chor, der vor einigen Jahren selbst eine Reise in das Partnerdekanat unternommen hatte.
„Offene Türen, Gemeinschaft mit und zu Gott sowie der Blick über den Tellerrand sind Merkmale, die diesen Chor so einzigartig machen“, sagte Dr. Friedrich Flierl – Worte, die angesichts dieser lebendigen Partnerschaft spürbar Resonanz fanden.
Teil 2: Gospel-Glanz und pure Lebensfreude
Wie offen und lebendig „QuerBet“ seit 30 Jahren ist, zeigte der zweite Teil des Konzert-Gottesdienstes. Nachdem der Kinderchor den Chorraum verlassen hatte, wuchs „QuerBet“ sprichwörtlich über sich hinaus: Der zum Jubiläum initiierte Gospel-Workshop unter der Leitung des Kölner Chorleiters Darius Rossol ließ das Ensemble auf über 50 Sängerinnen und Sänger anwachsen. Bereits das eröffnende „O when the Saints Go Marching In“ riss die bis auf den letzten Platz besetzte Christuskirche aus den Sitzen. „Ich begleite QuerBet seit vielen Jahren und bin froh, heute hier mit euch dieses Jubiläum feiern zu dürfen“, betonte Darius – und formte mit Band und Workshop-Chor ein klangvolles Kollektiv, das klassische Gospeltradition mit afrikanischen, meditativen und jazzigen Farben verband.
Rund 45 Minuten lang pulsierte die Kirche im Rhythmus der Musik. „Geh in den Tag mit Freude“ war dabei nicht nur ein Liedtitel, sondern Programm: Die frohe Botschaft des Gospels klang als Einladung in den Alltag nach – leicht, hell und kraftvoll.
Ein Fest der Gemeinschaft: Kulinarische Vielfalt im Gemeindehaus
Was diesen Tag abrundete, war die herzliche Gastfreundschaft im Anschluss an den Gottesdienst. Im Gemeindehaus hatten die Mitglieder des Café Dialog – Geflüchtete aus Syrien und Iran – ehrenamtlich ein buntes, köstliches Buffet zusammengestellt. Die kulinarische Vielfalt spiegelte dabei genau jene Offenheit wider, die „QuerBet“ seit 30 Jahren prägt: neugierig auf Neues, verbunden im Miteinander, getragen von Musik und Glauben.
Ein Jubiläum ohne Floskeln – mit umso mehr Herz
Das 30-jährige Jubiläum von „QuerBet“ kam ohne offizielle Grußworte aus – und blieb vielleicht gerade deshalb in besonderer Weise in Erinnerung. Es ließ Raum für das, was diesen Chor so einzigartig macht: die Freude am gemeinsamen Singen, die tiefe Dankbarkeit für das Getragensein in Glaube und Gemeinschaft und das Verkünden der frohen, Liebe spendenden Botschaft Jesu Christi. Ein Chor, der Klang zu Gebet werden lässt – und ein Fest, das nachklingt.