Die Christuskirche war bis auf den letzten Platz besetzt. Schon lange vor Beginn des festlichen Gottesdienstes war spürbar, wie sehr die Evangelische Kirchengemeinde Burgkunstadt diesen Tag herbeigesehnt hatte. Nach 22 Monaten Vakanzzeit konnte sie am Sonntag, den 20. September 2026 ihre neue Pfarrerin willkommen heißen: Raphaela Holzinger wurde von Dekanin Dr. Ulrike Schorn in ihr Amt eingeführt. Die neue Pfarrerin ließ bereits bei ihrer Amtseinführung erkennen, was ihr bei ihrer zukünftigen Arbeit mit ihrer neuen Gemeinde wichtig ist.
Es war bereits ein besonderer Einzug, mit dem der Gottesdienst begann. Begleitet von der Dekanin, den Mitgliedern des Kirchenvorstands, den Pfarrerinnen und Pfarrern des Pfarrkapitels sowie Vertretern der katholischen Pfarrgemeinde Burgkunstadt zog die neue Pfarrerin unter den festlichen Klängen des Posaunenchors in die Christuskirche ein. Dabei setzte dieser Beginn des Gottesdienstes ein eindrucksvolles Zeichen. Die Glocken der Christuskirche mussten schweigen. Die alte Glockenanlage war in der vergangenen Woche abgebaut worden, um Platz für die drei neuen Bronzeglocken zu schaffen, die am folgenden Tag in Burgkunstadt eintreffen sollten. Doch während die Glocken der Christuskirche stumm blieben, läuteten ganz bewusst die Glocken der katholischen Pfarrkirche St. Heinrich und Kunigunde zum Ehrentag der evangelischen Gemeinde. Ihr Klang war weit über die Kirchenmauern hinaus zu hören – ein unüberhörbares Zeichen ökumenischer Verbundenheit.
Pfarrerin Bettina Beck, die die Gemeinde während der Vakanzzeit vertretend geleitet hatte, begrüßte zu Beginn zahlreiche Ehrengäste. Unter ihnen waren die Pfarrerinnen und Pfarrer des Dekanats, die katholischen Geistlichen Pfarrer Birkel und Diakon Funk, Mitglieder des katholischen Pfarrgemeinderats und der Kirchenverwaltung sowie Vertreter aus der Politik. An ihrer Spitze standen der stellvertretende Landrat Robert Hümmer, Burgkunstadts zweiter Bürgermeister Sebastian Callens und zahlreiche Mitglieder des Stadtrats.
Auch musikalisch zog die Kirchengemeinde alle Register. Thomas Meyer begleitete den Gottesdienst an der Orgel und leitete den Posaunenchor. Der Flötenchor unter der Leitung von Susi Schliefer sowie der Chor „QuerBet“ unter der Leitung von Katharina Flierl gestalteten den Gottesdienst mit. Gemeinsam sorgten die Ensembles für einen festlichen und stimmungsvollen Rahmen.
Ein besonders berührender Moment war der Auftritt einer Delegation des evangelischen Kindergartens. Als „zukünftige Nachbarn“ der neuen Pfarrerin sangen die Jüngsten der Gemeinde unter der Leitung ihrer Erzieherinnen das Kinderlied „Einfach spitze, dass du da bist“. Damit sprachen sie vielen Erwachsenen aus dem Herzen.
Die offizielle Einführung übernahm Dekanin Dr. Ulrike Schorn. Ihr war die Freude über die Neubesetzung der Pfarrstelle deutlich anzumerken. Ihre Ansprache stellte sie unter das alttestamentliche Wort: „Seid nicht bekümmert, denn die Freude am Herrn ist eure Stärke.“ Zugleich ging sie auf den ungewöhnlichen und farbenfrohen Lebensweg der neuen Pfarrerin ein. Raphaela Holzinger bringe Erfahrungen aus unterschiedlichen beruflichen und kirchlichen Zusammenhängen mit. „Dass diese beiden Seiten zusammengefunden haben, ist eine glückliche Fügung und ein Gewinn für beide Seiten“, so die Dekanin.
Auf die Einführungsfragen antwortete Raphaela Holzinger mit sichtbarer Freude. Es folgte die Segnung der neuen Pfarrerin und ihre Sendung durch biblische Worte. Zu den von Holzinger ausgewählten Wegbegleitern gehörte auch Pfarrer Heinz Geyer, ihr Vorgänger in Burgkunstadt. Dass er an diesem wichtigen Augenblick beteiligt war, wurde als starkes und von Herzen kommendes Zeichen der Kontinuität und des gegenseitigen Vertrauens wahrgenommen. Nach der Einsegnung wurde die neue Pfarrerin mit langanhaltendem Applaus herzlich von der versammelten Gemeinde willkommen geheißen.
In ihrer ersten Predigt als Pfarrerin der Christuskirche sprach Raphaela Holzinger offen über ihre Gefühle. „Jetzt stehe ich da als neue Pfarrerin der Evangelischen Kirchengemeinde – und habe zugegeben auch ein bisschen Bammel“, bekannte sie. Der mit dem neuen Amt verbundenen Unsicherheit stellte sie die biblische Botschaft „Fürchte dich nicht“ und die ermutigenden Worte des Paulus entgegen.
„Im Vertrauen auf Gott und seine Begleitung weiß ich: Mein Platz ist bei Ihnen“, sagte Holzinger. Als eine von ihnen und euch wolle sie den Weg gemeinsam mit der Gemeinde gehen – „mit Mut, Vertrauen, Freude und Besonnenheit“.
Diese Worte blieben nicht nur eine Aussage. Während ihrer Predigt verließ die neue Pfarrerin die Kanzel und stellte sich zwischen die Kirchenbänke – mitten hinein in ihre neue Gemeinde. Symbolträchtiger hätte sie ihre Vorstellung von Kirche kaum zum Ausdruck bringen können: Nicht über den Menschen stehen, sondern mit ihnen unterwegs sein.
Auch die anschließenden Grußworte griffen dieses Gemeinschaftsgefühl auf. Bettina Beck und Vertrauensmann Wolfgang Schelder dankten den Pfarrerinnen und Pfarrern, Prädikanten und Lektoren, die während der Vakanz das Gottesdienstleben aufrechterhalten hatten. Beck würdigte zudem den Kirchenvorstand und die Gemeinde: „Ihr habt niemals lockergelassen und gemeinsam Projekte in der Vakanz gestemmt, die von Jubiläumsfeiern für eure Chöre bis hin zur Beschaffung neuer Glocken reichten.“
„Du darfst dich auf eine großartige Gemeinde und ein tolles Team freuen“, gab sie der neuen Pfarrerin mit auf den Weg. Wolfgang Schelder blickte dankbar auf die zurückliegenden Monate: „Wir haben gehofft, gebangt und gebetet – und waren unserem Herrn unendlich dankbar, als wir im Februar 2026 im Kirchenvorstand entscheiden durften, Raphaela Holzinger als unsere neue Pfarrerin anzunehmen.“ Die Gemeinde sei offen für Neues und freue sich auf Holzinger und ihre Familie.
Ein besonderer Dank galt Miriam Weiß und Ulrike Kestel für die umsichtige Führung des Pfarrsekretariats sowie Bettina Beck für ihre Begleitung während der Vakanz.
Burgkunstadts zweiter Bürgermeister Sebastian Callens überbrachte im Namen der Stadt und des Stadtrats Glückwünsche und Worte der Anerkennung. Glück- und Segenswünsche überbrachte Sabine Schmid-Hagen für das Pfarrkapitel. Die Kolleginnen und Kollegen der Region Ost gratulierten später auf musikalische Weise. Pfarrer Birkel von der katholischen Pfarrgemeinde hatte ein besonders originelles Geschenk dabei: einen goldenen Schuh für die neue Pfarrerin – verbunden mit Wunsch, dass sie nicht in die Fußstapfen ihrer Vorgänger treten müsse, sondern eigene Spuren hinterlasse.
Beim anschließenden Empfang im Gemeindehaus setzte sich die herzliche Atmosphäre fort. In dem liebevoll geschmückten Saal und an einem reichhaltigen Buffet kamen zahlreiche Gemeindemitglieder und Gäste mit Raphaela Holzinger ins Gespräch.
Dass die neue Pfarrerin auf Unterstützung über die Gemeindegrenzen hinaus zählen darf, machte auch das Geschenk des katholischen Pfarrgemeinderats deutlich. Pfarrgemeinderatsvorsitzender Elias Popp lud Raphaela Holzinger zusammen mit den Mitgliedern des evangelischen Kirchenvorstandes zu einer Stadtführung und einem gemütlichen, ökumenischen Beisammensein ein.
So endete ein bewegender Festtag, an dem die Freude über den Neubeginn überall zu spüren war. Und während die Christuskirche an diesem Sonntag noch auf ihre neuen Glocken verzichten musste, war dennoch deutlich zu hören, was die Gemeinde trägt: Musik, Gemeinschaft, ökumenische Verbundenheit und das Vertrauen, gemeinsam mit ihrer neuen Pfarrerin in eine gute Zukunft zu gehen.