Nur einen Tag nach der feierlichen Einführung von Raphaela Holzinger als neue Pfarrerin unserer Kirchengemeinde erlebte die Christuskirche einen weiteren historischen Höhepunkt: Im Atrium neben der Kirche wurden die drei neuen Bronzeglocken gesegnet. Zahlreiche Gemeindemitglieder versammelten sich am 21. September 2026 abends, um die Glocken nach ihrer Anlieferung in Augenschein zu nehmen und gemeinsam mit Pfarrerin Holzinger und ihrem Vorgänger, Pfarrer Heinz Geyer, für ihre künftige Aufgabe zu segnen.
Der Posaunenchor der Gemeinde sorgte für den festlichen musikalischen Rahmen. Zwischen den Kirchenmauern und den im Sonnenlicht glänzenden Bronzeoberflächen wurde sichtbar, worauf die Gemeinde viele Jahre gewartet und hingearbeitet hatte: Das neue Geläut war in Burgkunstadt angekommen.
„Stimme und Herz einer Kirche“
In ihrer Begrüßung verlieh Raphaela Holzinger der Bedeutung der Glocken eindrucksvoll Ausdruck. „Glocken sind weit mehr als ein Stück gegossenes Metall. Sie sind Stimme und Herz einer Kirche, sie tragen Freude und Trauer, Hoffnung und Trost weit hinaus in unsere Straßen und Felder“, sagte die neue Pfarrerin.
Damit beschrieb sie zugleich die besondere Rolle, die Glocken im Leben einer Kirchengemeinde einnehmen. Sie laden zum Gottesdienst ein, begleiten Taufen, Trauungen und Trauerfeiern, geben den Stunden ihren Klang und machen Kirche auch außerhalb der Kirchenmauern hörbar. „Die Glocken sind nicht nur ein akustisches Zeichen, sondern ein geistlicher Ruf: Gott ist mitten unter uns“, betonte Holzinger.
Auch die Ökumene wurde bei der Feier sichtbar. Pfarrer Birkel und Mitglieder des Pfarrgemeinderats der katholischen Pfarrgemeinde Burgkunstadt waren anwesend und bekundeten damit ihre Verbundenheit mit der evangelischen Gemeinde. Bereits am Vortag hatten die Glocken der katholischen Pfarrkirche St. Heinrich und Kunigunde zum Festtag der Evangelischen Kirchengemeinde geläutet, während die Glocken der Christuskirche wegen ihres Ausbaus schweigen mussten.
Eine Glocke als Zeugin der Geschichte
Von dem bisherigen Geläut bleibt eine Bronzeglocke im Turm der Christuskirche erhalten. Sie ist seit der Weihe der Christuskirche im Jahr 1935 Teil der Gemeinde und hat als einzige Glocke die Schrecken des Nationalsozialismus und des Zweiten Weltkriegs überdauert.
Die anderen drei ursprünglichen Bronzeglocken der Christuskirche waren während des Krieges eingeschmolzen worden. Als Ersatz wurden Stahlglocken angeschafft, die anschließend rund 75 Jahre lang ihren Dienst versahen. Erst als ein Glockensachverständiger sie als irreparabel einstufte, stellte sich die Gemeinde der schwierigen Frage nach einem neuen Geläut.
Die erhaltene Bronzeglocke verbindet nun die Geschichte der Christuskirche mit ihrer Zukunft. Besonders symbolisch ist, dass die Stimmlagen der drei neuen Glocken an die Intonation dieser ursprünglichen, aus dem Jahr 1935 stammenden Glocke angepasst wurden. „Wenn das neue Geläut vollständig im Turm installiert ist, wird wieder der ursprüngliche harmonische Vierklang zu hören sein“, so Pfarrer Heinz Geyer.
Ein Weg, der viele Jahre dauerte
Bis es so weit kommen konnte, war es ein langer Weg. Die Evangelische Kirchengemeinde sammelte über Jahre hinweg Spenden und warb für die Anschaffung der neuen Glocken. Zahlreiche Menschen unterstützten das Vorhaben. In besonderer Dankbarkeit erinnert die Gemeinde auch an Hannelore Schiffauer, deren Nachlass diese wichtige Investition überhaupt erst ermöglichte.
Pfarrer Heinz Geyer stellte in seiner bewegenden Andacht heraus, wie bemerkenswert diese Entscheidung der Gemeinde sei. Während vielerorts Kirchen geschlossen und Glocken abgebaut würden, habe sich die Evangelische Kirchengemeinde Burgkunstadt auch von der langen Vakanzzeit nicht davon abbringen lassen, neue Glocken in Auftrag zu geben und die dafür erforderlichen Spenden zu sammeln.
„So wie die Glocken hier heute vor uns stehen, bilden sie die Liebe und das Engagement vieler Gemeindeglieder für ihre neuen Glocken ab“, sagte Geyer. Zugleich verband er die Glocken mit dem Auftrag der Gemeinde: „So mögen die Glocken unseren Glauben, unsere Hoffnung und unsere Liebe mitnehmen und hinaustragen in unsere Welt.“
Pfarrer Geyer hatte die Gemeinde nach seiner Dienstzeit in Burgkunstadt zum Guss der Glocken in die traditionsreichen Glockengießerei Rincker im hessischen Sinn begleitet. Dass er nun gemeinsam mit Raphaela Holzinger die neuen Glocken segnen durfte, erfüllte die anwesende Gemeinde mit großer Freude.
Drei Glocken, drei Botschaften
Im Anschluss segnete Pfarrerin Holzinger die drei Bronzeglocken und verlas die Inschriften, die jeder von ihnen ihren besonderen Charakter verleihen.
Die 1100 Kilogramm schwere Christusglocke trägt die Worte:
„Siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende.“
Die 600 Kilogramm schwere Gebetsglocke erinnert mit ihrer Inschrift an die Kraft und Beständigkeit des Gebets:
„Seid beharrlich im Gebet!“
Die 300 Kilogramm schwere Taufglocke trägt die persönliche Zusage:
„Ich habe dich bei deinem Namen gerufen, du bist mein!“
Damit stehen die drei Glocken nicht nur für unterschiedliche Aufgaben im Leben der Gemeinde. „Ihre Inschriften erzählen zugleich von Zuspruch, Geborgenheit und Vertrauen. Sie begleiten die Menschen in unterschiedlichen Lebenssituationen und weisen auf die Gegenwart Gottes hin“, so Pfarrerin Holzinger.
Eine kleine Panne mit großer Wirkung
Unvergesslich wurde die Segnung für die Anwesenden auch durch eine kleine Panne. Beim Anschlagen der ersten Glocke durch Pfarrerin Holzinger lief zunächst alles planmäßig. Der Klang erfüllte das Atrium und die Herzen der Gemeindemitglieder.
Als anschließend der Gabelstapler die nächste Glocke anheben sollte, damit auch sie angeschlagen werden konnte, fuhr er sich jedoch fest. Die beiden anderen Glocken konnten zunächst nicht in die richtige Position gebracht und somit auch nicht zum Klingen gebracht werden.
Die Gemeinde nahm den Zwischenfall mit Humor. „Das macht dieses ganz besondere und im Leben vieler ganz sicher einmalige Erlebnis noch unvergesslicher“, meinte ein Gemeindemitglied. Mit vereinten Kräften gelang es wenig später, den Gabelstapler zu befreien. So konnten schließlich auch die weiteren Glocken angeschlagen werden.
Die leichten Hammerschläge ließen eindrucksvolle Klangfarben entstehen. Noch erklangen die Glocken nur einzeln und unter besonderen Umständen. Doch bereits hier war zu erahnen, welche Klangfülle sie entwickeln werden, wenn sie in einigen Wochen im Turm der Christuskirche installiert sind und dort ihr gesamtes Klangvolumen entfalten können.