„Ein historischer Tag für die Kirchengemeinde!“
50 Gemeindemitglieder sind am 20. Februar vor Ort, als die drei neuen Glocken der Christuskirche im hessischen Sinn gegossen werden.
„So wollen wir die Glocken gießen in Gottes Namen - Ofen auf!“ Auf die Worte des Glockengießermeisters Fritz Georg Rincker öffnet sich die Klappe zum über 1000 Grad heißen Schmelzofen und circa 4,5 Tonnen der Kupfer- Zinnlegierung fließen brodelnd in die im Boden eingegrabenen Gussformen. Knapp 100 Menschen stehen gebannt um die Anlage herum, 50 davon aus Burgkunstadt. Sie sind an diesem Tag gemeinsam in die vier Stunden von Burgkunstadt entfernt liegende Glockengießerei Rincker im hessischen Sinn gereist, um beim Guss der drei neuen Glocken der Christuskirche vor Ort zu sein. „Das war ein beeindruckendes und zugleich für die große Mehrheit von uns wohl einmaliges Erlebnis!“, zeigten sich die mitgereisten Mitglieder der Gemeinde noch Stunden nach dem schweißtreibenden Erlebnis beeindruckt.
Damit wurde an diesem Tag ein langersehnter Traum für die Kirchengemeinde endlich Wirklichkeit. Mit einem voll besetzten Reisebus hatten sich die Gemeindemitglieder am frühen Morgen auf den Weg nach Sinn gemacht. Seit Jahren hatte sich die Gemeinde auf diesen Tag gefreut. Die drei in die Jahre gekommenen und teilweise sogar stillgelegten Stahlglocken können nun in der zweiten Hälfte des Jahres durch die drei neuen Bronzeglocken ersetzt werden und zusammen mit der bereits seit 1935 existierenden Bronzeglocke endlich wieder den ursprünglichen Vierklang erzeugen. „Während anderenorts ganze Kirchen wegen rückgängiger Gemeindemitglieder verkauft werden müssen, setzen wir mit dem Guss der drei neuen Glocken ganz bewusst ein Zeichen der Hoffnung“, erklärten die Gemeindemitglieder. Und auch der ehemalige Gemeindepfarrer Heinz Geyer, der den Glockenguss in seiner aktiven Zeit in Burgkunstadt noch mitinitiiert und begleitet hatte und der beim Glockenguss ebenfalls vor Ort war, sprach die Bedeutung dieses Tages in den Fürbitten kurz vor dem Glockenguss aus: „Du Schöpfer der Erde! Wir bitten dich für alle, die der Ruf dieser Glocken erreichen wird: Berühre sie mit deinem Geist und mache ihr Herz offen für dich und ihre Mitmenschen.“
Neben Pfarrer Geyer, Mitgliedern des Kirchenvorstands und weiteren Gemeindemitgliedern war auch ein Teil des Posaunenchores unter der Leitung von Thomas Meyer nach Sinn gereist, um dem Glockenguss auch den angemessenen musikalischen Rahmen zu verleihen. Choräle wie „Nun danket alle Gott!“ und „Großer Gott wir loben dich!“ untermauerten die Dankbarkeit der Gemeinde an diesem Tag. Mit vor Ort waren auch Gemeindemitglieder aus Uttenreuth, deren zwei Glocken ebenfalls gegossen wurden.
In der Gießerei angekommen, wurden die Gemeindemitglieder von dem beeindruckenden Brennofen und dem handwerklichen Können der Glockengießer empfangen. Die Glocken wurden dabei nach den traditionellen Arbeitsschritten der letzten 1000 Jahre gegossen, die sich auch in Schillers Ballade „Das Lied von der Glocke“ finden lassen: Schillers Anfangsverse „Fest gemauert in der Erden steht die Form aus Lehm gebrannt. Heute muss die Glocke werden. Frisch Gesellen, seid zur Hand“ erlebten die Anwesenden vor Ort aufs Neue. Glockengießermeister Rincker erklärte den Anwesenden den Prozess und die Kunst des Glockengießens samt aller dafür notwendigen und teils Monate andauernder Vorarbeiten. „Es ist eine Ehre, diese Tradition fortzuführen“, sagte der Glockengießer in 13. Generation seines Familienunternehmens, während seine Mitarbeiter versuchten, den Ofen auf die erforderliche Temperatur von circa 1060 Grad zu bringen. Aufgrund des an diesem Tag vorherrschenden Tiefdrucks zog sich dies circa zwei Stunden länger als ursprünglich geplant hin. Der guten Stimmung vor Ort tat dies keinen Abbruch. Und auch der Posaunenchor überbrückte die Wartezeit mit festlichen Chorälen.
Die Hitze, der Rauch und der teils beißende Geruch in der alten Gießerei trugen zur Intensität des Erlebnisses bei. Es war nicht nur ein technischer Prozess, sondern ein emotionaler Höhepunkt, der zugleich ein Zeichen für den Zusammenhalt und die Beständigkeit der Gemeinde der Christuskirche ist, die auch in schwierigen Zeiten zusammensteht.
Als der Guss endlich stattfand, war die Aufregung greifbar. „Sie dürfen sich in ein einigen Wochen auf drei wunderschöne und wohlklingende Glocken freuen - das hat der Guss schon erkennen lassen“, sagte Firmenchef Rincker nach dem circa 15minütigen Glockenguss glücklich und erleichtert zugleich. Der Klang des flüssigen Metalls, das in die Formen floss, war ein Moment, den die Anwesenden nie vergessen werden.
Ein weiterer bewegender Moment war die Erinnerung an Hannelore Schiffauer, deren Nachlass den Guss der neuen Glocken erst möglich gemacht hatte. Die Gemeinde sprach Dankbarkeit aus, nicht nur für die neuen Glocken, sondern auch für die Unterstützung, die sie über die Jahre auch von anderen Spendern erhalten hatte und auf die sie auch noch immer angewiesen ist.
Der Tag in der Gießerei Rincker war ein historisches Ereignis für die Kirchengemeinde und zugleich ein Fest des Glaubens und der Gemeinschaft. Kirchenvorsteherin Miriam Weiß hatte zusammen mit dem Vertrauensmann Wolfgang Schelder diesen besonderen Tag bis ins Detail perfekt geplant und vorbereitet – und dies obwohl die Pfarrstelle aktuell noch vakant ist.
Jedoch kehrten die Gemeindemitglieder gerade nach dem Glockenguss mit einem Gefühl der Hoffnung und des Neuanfangs zurück nach Burgkunstadt, bereit, die Klänge der neuen Glocken in ihrem Alltag willkommen zu heißen.
Die Inschriften unserer neuen Glocken lauten:
CHRISTUSGLOCKE (Gewicht ca. 1.100 kg)
SIEHE ICH BIN BEI EUCH ALLE TAGE BIS AN DER WELT ENDE!
GEBETSGLOCKE (Gewicht ca. 600 kg)
SEID BEHARRLICH IM GEBET!
TAUFGLOCKE (Gewicht ca. 300 kg)
ICH HABE DICH BEI DEINEM NAMEN GERUFEN DU BIST MEIN!
Bilder vom Glockenguss bei der Firma Rincker (Sinn/Hessen):
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Als Dankeschön erhalten Sie die Glocken-Sonder-Wein-Edition (zwei Weingläser mit Glockengravur, 0,75l Domina Rotwein aus Sommerhausen inkl. praktischem Halter).
Natürlich können Sie den Wein und die Gläser auch einzeln erwerben.
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Telefon: 09572 1579
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